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Verantwortung, Funktion und Auftrag: Perspektivische Brechung als Zusammenhang

Nach dem 11. September erklärten amerikanische Behörden unsere Welt zur VUKA-Welt: Volatil, Unsicher, Komplex, in Ambiguität. Die Klärung von Rollen und Verantwortungen gewinnt in einer solchen, auch noch beschleunigten, digitalisierten und agilen Welt, zunehmend an Bedeutung!
Denn ungeklärte Rollen und Verantwortungen …

Wie stellt sich sowas her?

Der Soziologe Niclas Luhmann (Einführung in die Systemtheorie) wusste, dass man Systeme nie als Einheit beschreiben kann. Denn Systeme werden nur da beobachtbar, wo sie sich mit anderen Systemen brechen, überlappen. Brechung ergibt Zusammenhang.

Der Managementforscher F. Malik (Führen, Leisten, Leben) stellt fest, dass beinahe alle Führungskräfte ihre Funktion beschreiben können, nicht aber den entscheidenden Auftrag dahinter. Man kann sagen, das „Was“ gibt gerne vor geklärt zu sein und versteckt damit die Frage nach dem „Wie“. Denn der Auftrag wird nur dort sichtbar, wo er sich mit anderen Schnittstellen „bricht“, in Kontakt kommt. Ab hier wird der Auftrag relevant, bis da kann er unbenannt bleiben. Im Zuge eines Prozesses zur Klärung der Verantwortung kann der Auftrag, der mit einer jeweiligen Funktion verbunden ist geklärt und mit Hauptaufgaben, für die es dann einzutreten gilt, verbunden werden.

Prozess zur Klärung der Verantwortung.

Es geht beim Prozess zur Klärung der Verantwortung nicht darum, ob die Beteiligten wissen, was sie funktionell bei- und einbringen müssen. Es geht darum zu klären, welche Perspektive, d. h. welchen Auftrag (Kernverantwortung) jemand hat und wie hartnäckig er diesen Auftrag wo verteidigen kann. Die klassische Managementlehre fasst das unter Konfliktmanagement, es geht aber darum, wie Unternehmen aus perspektivischen Brechungen Zusammenhänge erzeugen.

Perspektiven leisten spezifische Beiträge. Sie organisieren unser Handeln, geben Fakten einen Sinn, generieren neue Informationen, steuern unsere zukünftigen Maßnahmen und erzeugen wiederum: neue Perspektiven. Damit sind Perspektiven Werkzeuge zur Bedeutungsfindung, -ergänzung und -vereinheitlichung.

Dazu muss ein ungeteiltes, organisierendes Zukunfts-Bild des Unternehmens geben! Denn, ein Unternehmen muss aus der Brechung der Perspektiven heraus eine Einheit bilden. Für diese Vereinheitlichung in einem organisierenden Bild, gilt es Regeln zu finden, Vorfahrten zu definieren und Spielfelder zu definieren, um aus der Kraft des Konfliktes guten Honig zu saugen.

Das Prinzip der „Brechung“ ist in der generellen Unternehmensentwicklungs-Lehre noch viel zu wenig berücksichtigt! Es lugt manchmal heraus, wenn darauf hingewiesen wird, man solle Konflikte produktiv nutzen. Naja.

Das Prinzip führt aber zu unserem Vorgehen im Zuge der Verantwortungsklärung. Es handelt sich um einen top-down-Prozess, in dem Kernverantwortungen, Auftrag und Hauptaufgaben definiert werden. Darüber hinaus werden „Vorfahrtsregeln“ für die Zusammenarbeit der Bereiche erarbeitet, die aus der Beantwortung der Frage abgeleitet werden, was die Nahtstellen- (Schnittstellen-) Leistungen sind.